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Wie sicher sind Elektroautos?

Zahlreiche Autofahrer haben Sicherheitsbedenken gegenüber Elektroautos. Was passiert nach einem Unfall? Besteht Brandgefahr beim Akku? Ist man vor einem Stromschlag sicher? Die wichtigsten Antworten zu den Sicherheitsfragen bei Elektroautos.

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In der Debatte um Elektromobilität stehen Themen wie Kaufpreis, Umweltverträglichkeit, Reichweite oder Lademöglichkeit im Vordergrund. Es kursieren im Internet aber auch viele Gerüchte über die Sicherheit von Elektroautos. Wie sicher sind sie beispielsweise bei Brand, Unfall oder Panne? Immerhin werden Elektroautos mit Hochspannung betrieben und schon von Kindesbeinen an wurde uns beigebracht: Strom ist gefährlich. Ein Gefahrenbewusstsein, das sich auch auf Elektroauto zu übertragen scheint.

Sicherheitsbedenken sind von vielen Autofahrern ein maßgebliches Argument gegen den Kauf von Elektroautos, so der Touring Club Schweiz, der größte Mobilitätsclub unseres westlichen Nachbarlandes. 30% der Befragten halten den Akku eines Elektroautos für explosionsgefährdet. Ist dieses Misstrauen gerechtfertigt?

Sind Elektroautos bei einem Unfall gefährlich?

Benzin, Diesel, Erdgas, Elektro – egal, welche Antriebsart ein Pkw hat, er muss die gesetzlichen Anforderungen erfüllen, die ein Höchstmaß an Sicherheit für die Autofahrer garantieren sollen. Beim Elektroauto heißt das unter anderem: Die elektrischen Komponenten müssen „eigensicher“ ausgelegt sein.

Das heißt: Tritt im System ein Defekt auf, muss der Stromfluss im Hochvoltnetz automatisch unterbunden werden. Alle Stromverbraucher sind dann spannungsfrei, der Antriebsakku wird vom Rest des Fahrzeugs abgekoppelt. Das gilt auch bei einem Unfall, sodass weder Insassen, Ersthelfer noch Rettungskräfte einen Stromschlag fürchten müssen (siehe auch: "Elektroautos: Das muss man über Lithium-Ionen-Akkus wissen").

Wie ist der Akku bei einem Unfall geschützt?

Eine Beschädigung des Batteriepakets stellt den kritischsten Fall bei einem Unfall dar. Aus diesem Grund betreiben die Hersteller einen immer größeren technischen Aufwand, um die Akkus zu schützen.

  • Der Antriebsakku ist im Unterboden zwischen den Achsen der Fahrzeuge platziert. Dieser gilt als sicherster Ort in einem Pkw. Nach vorne und nach hinten ist er wie die Insassen durch die Knautschzonen geschützt.
  • Er ist mit einem massiven Rahmen vor Beschädigungen geschützt.
  • Spezielle Materialien schützen Akkus vor Fremdkörpereinschlägen.

Wie schneiden Elektroautos bei Crashtests ab?

Wie konventionelle Fahrzeuge werden auch Elektroautos laufend verschiedenen Crashtests unterzogen – und viele davon erreichen die höchsten Bewertungen. Die Testergebnisse der einzelnen Modelle sind auf der Website von EuroNCAP, dem führenden Bewertungsmaßstab für Fahrzeugsicherheit in Europa, aufgelistet.

Der ADAC hat unabhängig von EuroNCAP einen Crashtest-Vergleich durchgeführt. Getestet wurde von einem bestimmten Pkw-Modell sowohl die Variante mit Benzinmotor als auch die Elektroausführung. Beide haben die Höchstnote von fünf Sternen erhalten. Der Batteriepack wurde nicht verformt, das Hochvoltsystem schaltete sich in wenigen Millisekunden ab. Die Belastungswerte für die Insassen und die Deformationswerte der Fahrzeugstruktur waren weitgehend identisch.

Selbst bei verschärften Crashtests, mit deutlich höheren Geschwindigkeiten als beim EuroNCAP-Test, kam es trotz massiver Deformationen des Akkus in keinem Fall zu einem Brand.

Wie groß ist die Brandgefahr bei Elektroautos?

Im Jahr 2016 fing in mehreren Geräten eines bestimmten Smartphone-Typs der Akku zu brennen an. Ins Flugzeug durfte man daraufhin dieses Handy-Modell nicht mehr mitnehmen. Das Handy – dessen Akku sich grundsätzlich nicht von dem eines Elektroautos unterscheidet – wird weiterhin bedenkenlos in die Hosentasche gesteckt oder ans Ohr gehalten. Wie steht es um die Brandgefahr bei Elektroautos?

Immerhin verbreiteten sich in den letzten Jahren im Internet Bilder von in Flammen stehenden Elektroautos recht schnell. Der Touring Club Schweiz sieht jedoch kein erhöhtes Sicherheitsrisiko. Nach dessen Angaben brennen prozentual mehr Autos mit Verbrennungsmotor als Elektroautos.

Auch laut dem Deutschen Feuerwehrverband brennen E-Autos weder heftiger noch häufiger als Benziner oder Diesel (siehe auch: "Sicherheit von Elektroautos: Benzin brennt besser"). Das Szenario eines brennenden Pkws tritt generell sehr selten ein. „Beim Verbrennungsmotor gelten 90 Fahrzeugbrände pro einer Milliarde gefahrener Kilometer als normal“, heißt es im „Faktencheck E-Mobilität“ des Klima- und Energiefonds.

Wie wird der Brand eines Elektroautos gelöscht?

Experimente von Feuerwehren haben gezeigt, dass die Brandintensität nicht von der Antriebsart abhängt. Zwischen Pkws mit Verbrennungsmotor und Elektroantrieb gibt es lediglich Unterschiede bei der Brandbekämpfung.

Bei brennendem Treibstoff wird Löschschaum verwendet, bei einem Elektroauto ist hingegen Wasser das geeignete Löschmittel. Denn Ziel ist nicht nur, die sichtbaren Flammen zu löschen, sondern auch den Lithium-Ionen-Akku zu kühlen, damit der Brand nicht von Akkuzelle zu Akkuzelle überspringt. Die Feuerwehr verwendet dazu einen speziellen Wasserstrahl, der aus einzelnen Tröpfchen besteht.

Kann ich ein Elektroauto bei Regen aufladen?

Strom und Wasser – an und für sich eine riskante Kombination. Ist es somit nicht gefährlich, das Elektroauto bei Regen im Freien an eine Ladestation zu stecken?

Nein, das Laden bei Regen und Nässe ist unbedenklich, sofern die Ladestation der Norm entspricht und fachgerecht montiert wurde. Die Ladeanschlüsse sind mit mehreren Schutzebenen so konstruiert, dass der Strom erst fließen kann, wenn der Kontakt vollständig und sicher hergestellt ist – und sich kein Wasser in die Verbindung einmischt. Umgekehrt hört der Strom schon auf zu fließen, bevor man das Kabel vom Auto abzieht.

Was passiert, wenn man einen feuchten Ladestecker ans E-Auto anschließt, weil man ihn beispielsweise bei Regen zu lange in die Luft gehalten hat? Nichts in zweifacher Hinsicht: Man ist nicht gefährdet, erhält aber auch keinen Strom zum Laden.

Typ2 Stecker für ein Elektroauto

Die Ladeanschlüsse für Elektroautos sind so konzipiert, dass Regen kein Sicherheits­risiko darstellt.

Kann ich mit einem E-Auto durch die Waschanlage fahren?

Elektronik und Batterie sind im Elektroauto sehr gut vor dem Eindringen von Feuchtigkeit geschützt. Das Reinigen von Elektroautos in einer Waschanlage sei daher genauso ungefährlich wie das Waschen von konventionellen Fahrzeugen, versichert die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung.

Der Hersteller Skoda hingegen schließt seine Antwort auf diese Frage auf der Unternehmens-Website mit einem etwas eigenen Humor ab: „Und um Ihrer nächsten Frage vorzubeugen – nein, wenn ein Elektroauto in einen Teich oder Pool fällt, passiert weder Menschen noch Fischen etwas.“

Da wir schon im Bereich der unwahrscheinlichen Fälle sind: Ein Elektroauto ist auch kein größerer Blitzmagnet als ein Benziner oder Diesel. Wie bei jedem geschlossenen Pkw gilt auch bei einem Elektroauto: Der Faradaysche Käfig schützt die Insassen, wenn das Fahrzeug von einem Blitz getroffen wird. Allerdings kann dabei – unabhängig von der Antriebsart – die Bordelektronik beschädigt werden.

Was tun bei einer Panne mit dem Elektroauto?

Der Antrieb eines Elektroautos ist im Vergleich zum herkömmlichen Pkw einfacher. Kupplung, Schaltgetriebe, Öl- und Luftfilter, Motoröl und einige weitere Komponenten hat ein E-Auto nicht. Auch wenn zahlreiche Verschleißteile, die im Laufe eines Autolebens kaputt werden können, beim Elektroauto wegfallen, kann es trotzdem zu einer Panne kommen.

Die oberste Regel, wenn man mit einem Elektroauto liegenbleibt, ist jedenfalls: Hände weg von den Hochvoltkomponenten und von allen orangefarbenen Leitungen. Beim herkömmlichen Pkw wussten sich so manche Lenkerinnen und Lenker in speziellen Fällen selbst zu helfen. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Starthilfe. Kann man auch beim Elektroauto die 12-Volt-Batterie überbrücken? Und lassen sich Elektroautos problemlos abschleppen? Antworten darauf gibt der Beitrag „Was tun bei einer Panne mit dem Elektroauto?“

Geringere Wartungskosten beim Elektroauto

Einer der Vorteile von Elektroautos ist, dass deren Servicekosten insgesamt um rund ein Drittel unter denen von Pkws mit Verbrennungsmotor liegen. Weniger Verschleißteile bedeutet einfach weniger Wartung. Ein besonderes Augenmerk beim Service wird dem Antriebsakku geschenkt. Hier geht es um den allgemeinen Zustand des Batteriepakets, die Pole, Kabelverbindungen und den Ladeanschluss. Da es sich dabei jedoch um Teile des Hochvoltsystems handelt, dürfen diese Arbeiten nur von geschulten Fachkräften durchgeführt werden (siehe auch: "Servicekosten beim Elektroauto: Nie wieder Ölwechsel").

Fazit: Sicherheit von Elektroautos – besser als ihr Ruf

Sicherheit im Straßenverkehr ist zweifellos ein wichtiges Thema. Beim Elektroauto ist es noch dazu ein heikles Thema. Denn es kursieren zahlreiche Gerüchte vor allem über die Sicherheit des Antriebsakkus (Stichworte Brand-, Explosions- oder Stromschlaggefahr). Ein Misstrauen, das jedoch nicht gerechtfertigt ist, wie umfangreiche Tests ergeben haben.

  • Der Antriebsakku ist durch zahlreiche Maßnahmen besonders geschützt, auch gegen Spritzwasser, wodurch eine Fahrt durch die Waschanlage unbedenklich ist.

  • Bei einem Unfall wird in Millisekunden der Antriebsakku vom restlichen Fahrzeug automatisch abgekoppelt, das Hochvoltnetz wird somit spannungsfrei.

  • Untersuchungen von Automobilclubs sowie Crashtests von EuroNCAP zeigen, dass bei Elektroautos kein erhöhtes Sicherheitsrisiko besteht.

  • Laut Touring Club Schweiz brennen prozentual mehr Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor als Elektrofahrzeuge.

Während Elektroautos bei der Sicherheit zumindest auf Augenhöhe von konventionellen Pkws sind, haben sie bei den Wartungskosten die Nase deutlich vorne. Der Antrieb eines E-Autos ist deutlich einfacher, zahlreiche Verschleißteile, die beim Verbrennungsmotor im Einsatz sind, werden nicht benötigt. Trotzdem ist man mit einem Elektroauto nicht vor Pannen gefeit. Hier sind vor allem beim Abschleppen einige Besonderheiten zu beachten.

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